Moin Leute,

letztes Wochenende bin ich beim Denver Marathon mitgelaufen. Aber wie konnte ich denn nur bei Tausenden von Teilnehmern als Letzter durchs Ziel laufen? Schließlich hatte ich im Januar den Phoenix Marathon in relativ zügigen 3:50h gelaufen. Hier nun die dramatischen Geschehnisse des Tages:

Ich erreiche um halb acht den Civic Center in Denver, wo der Marathon und der Halbmarathon um acht Uhr starten sollen. Aber anscheinend hat der Veranstalter kurzfristig Probleme mit der Stadt bekommen und muss die Marathonstrecke umlegen, irgendwo an den Stadtrand von Denver. So stehen nun Shuttlebusse bereit, um die Menschenmenge dorthin zu fahren. Wenn man bedenkt, dass Denver von der Fläche größer als Berlin ist, wird einem schnell klar, dass man das innerhalb einer halben Stunde gar nicht mehr schaffen kann. Was nun? Den Lauf ins Wasser fallen lassen? Schließlich hatte ich drei Monate trainiert…

Ich bleibe pragmatisch und laufe erst Mal den Halbmarathon mit, der ja immer noch vom Civic Center startet. Der Lauf ist super, gute Stimmung, aber was nun? Ich möchte ja schließlich einen ganzen Marathon laufen. Also laufe ich nach knapp zwei Stunden durchs Ziel und laufe weiter, die ganze Runde von über 20 km noch einmal durch Denver. Natürlich ist das super komisch:

In der zweiten Runde sind die Absperrungen schon abgebaut, keine Menschenmassen mehr, die einen anfeuern und auch keine Läufer, mit denen man zusammen laufen kann. Also, die zweite Runde gestaltet sich einsam und durch die Umstände sehr anstrengend, so dass in der letzten Stunde jeder Schritt ein Kampf wird. Ebenfalls gibt es keine Getränkestände mehr, so dass ich immer wieder schnell öffentliche Wasserspender aufsuche.

Und so schaffe ich es nach ca. vier Stunden ein zweites Mal durchs Halbmarathon Ziel. Die Blicke der letzten Besucher sind mehr als verwundernd, da mich alle für den wohl langsamsten Halbmarathonläufer Denvers halten. Mit eher mitleidigen Blicken bekomme ich als vermeintlich letzter Halbmarathonläufer die obligatorische Teilnahmemedallie.

Aber ich bin sehr zufrieden, da ich meinen Marathon gelaufen bin und mich durch die komische Organisation nicht beirren lassen habe. Wie schnell kann man Selbstverantwortung in einer Situation abgeben und seine Energie darauf verschwenden, dass man darauf herumreitet wie blöd der Veranstalter mit seinem spontanen Shuttleservice ist.

Wer kennt es nicht, dass „Hätte“ und „Könnte“ und das „Ist der andere doch Schuld“. Und genau diese Haltung kann uns in vielen Lebenssituationen zurückhalten. Denn meiner Erfahrung nach ist eine Selbstverantwortung in vielen Situationen wichtig. Hier hat der Marathon-Veranstalter Dinge zwar kompliziert gemacht, aber ich habe immer noch die Selbstverantwortung behalten eine Lösung zu finden, um m einen Marathon zu laufen.

Und darüber hinaus war die zweite Marathonhälfte natürlich hart, viel härter als in einem Feld von Läufern zu laufen, wo man von der Stimmung regelrecht mitgerissen wird. Und genau diese Hürde habe ich als zusätzliche Herausforderung und somit als Chance gesehen meine Komfortzone weiter zu verlassen. Von daher bin ich im Nachhinein sogar froh, dass alles so gelaufen ist.

Mehr zum Thema Selbstverantwortung in meinen Online Life Coachings und in meinem Webinar am Dienstag Abend.

Wer kennt die Herausforderung nicht ins ‚Hätte‘ und ‚Könnte‘ abzudriften? Freue mich wieder auf Resonanz.

Euer Marathon Micha